Ein Jahrhundert der Morsetelegrafie im Seefunk geht zu Ende
Aus dem Englischen übersetzt von Rolf Marschner, DL9CM

Es ist nicht gut zu nostalgisch zu sein, aber es wird viele Leute in der Handelsmarine geben, die schon einen kleinen Anfall von Traurigkeit fühlten als der Monat begann, in dem der GMDSS-Stichtag vorüberging und die Telegrafie in das Buch der Geschichte verschwand. Obwohl die Telegrafie selbst 150 Jahre benutzt, und der irdische Telegraf in der Mitte des vorigen Jahrhunderts alltäglich wurde, war es gerade einmal hundert Jahre her, wo, dank Marconis einfallsreicher Beharrlichkeit, die erste drahtlose Übermittlung stattfand. Guglielmo Marconi dem es gelang, Morsezeichen zuerst auf seinem Dachboden und dann über einige Meilen zu senden, ließ sich 1896 seine Erfindung patentieren und elf Monate später sendete er Signale über den Bristol Kanal.

Ein Jahr später gab es Küstenfunkstellen auf der "Isle of Wight" und Empfänger an Bord einiger Passagierschiffe. Ein Jahrhundert bevor die Morsetelegrafie offiziell ins Museum verbannt wurde, wurde die erste Navigationswarnung gesendet, als das Feuerschiff "East Goodwin", das mit einem Sender ausgerüstet war, der Küstenfunkstelle "South Foreland" über Funk mitteilte, das es durch schwere See beschädigt worden sei. Der Sender des Feuerschiffes machte noch einmal Geschichte, als er das Rettungsboot "Ramsgate" zur Hilfe eines in der Nähe auf Grund gelaufenen Dampfers rief. Im selben Jahr war es das Feuerschiff selbst das um Hilfe rief, nachdem es gerammt worden war. Im März 1899 wurde das erste drahtlose Signal über den Kanal gesendet.

Mittlerweile waren Marconi und sein Team in Amerika wo sie versuchten, die US Marine für seine Erfindung zu interessieren, das Schiff auf dem er zurückkehrte, funkte seine Ankunftszeit als es noch mehrere Stunden und Meilen vom Kanal entfernt war. Die erste Funkstation wurde im Jahre 1900 auf dem Flaggschiff des "Norddeutschen Lloyds" eingebaut. Die Ära des Funkoffiziers wurde erreicht mit dem neuen Jahrhundert. Nach und nach wurden die Schiffe ausgerüstet, mehr für geschäftliche Zwecke der Passagiere als zu deren Hilfe. Im Jahre 1902, ein Jahr nach dem historischen Funksignal wurde der Morsebuchstabe "S" von Cornwall in England nach Neufundland gesendet, die "Philadelphia" der Amerika-Linie hatte jetzt dauernd Kontakt mit Funkstationen, zuerst mit denen der europäischen, und dann mit denen der amerikanischen Küste des Atlantiks. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Telegrafie als ein wertvolles Hilfsmittel angenommen, die "Titanic"-Katastrophe war einer der vielen Unfälle, in der die Telegrafie geholfen hatte, Hilfe herbeizurufen und den Verlust von Menschenleben zu verringern. Nicht nur Passagierschiffe, auch Frachtschiffe wurden mit Funk ausgerüstet da die Reeder die Vorteile einer ständigen Verbindung während der Reise erkannten. Während des Ersten Weltkrieges hatte sich die Telegrafie durchgesetzt und war unentbehrlich geworden, an seinem Ende hatte viele Schiffe ihre Funkstation und einen Spezialisten, den Funkoffizier. Der Funker hatte sich als ein wesentlicher Teil der Reedereien durchgesetzt, geachtet als ein Praktiker der schwarzen Kunst, des Funks, vom der niemand an Bord wirklich etwas verstand. Über die Jahre blieb das Geheimnisvolle des Funkoffiziers erhalten, besonders auf Frachtschiffen wo ein einzelner Funker fuhr und die Arbeit mit keinem Gefährten teilen konnte. Es war der Funker der als König der Kommunikation angesehen wurde, der alles über die Außenwelt wußte, sogar vor seinem Kapitän.

In den Reihen der Funkoffiziere gab es bemerkenswerte Charaktere, dessen alleinige Arbeit sie merkwürdig erscheinen ließen, gegenüber denen des Decks und der Maschine sowie dem Bedienungspersonal, die in der Lage waren untereinander zu fachsimpeln. Aus ihnen gingen eindrucksvolle Handwerker, Künstler angehende Autoren und gelegentlich sogar Poeten hervor, in späteren Jahren erlangten sie andere nützliche Fertigkeiten, sie warteten die Radargeräte und andere elektronische Einrichtungen, das wiederum verwirrte die Elektriker und bestürzte die Deckoffiziere.
Der Funkoffizier war teilweise der Sekretär des Kapitäns und oft der Organisator von Freizeitaktivitäten der Besatzung. Und nun gehern die die Funkoffiziere wieder, ersetzt durch eine zusammengebastelte Anlage aus intelligenten Bausteinen, die ihrerseits in kurzer Zeit den Weg freigibt zu Kommunikationssystemen die nicht komplizierter sind als die durchschnittlichen Mobiltelefone aber mit weltweiter Reichweite.

Auf Wiedersehen Funker und danke für deine 100jährige Hilfe


Aus BIMCO WEEKLY NEWS No.6 1999
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Version 11-oct-99 / HBu