Die Stella Polaris / SIEN
Fotos: Bengt Plessen (1) und Anders Bergström (4)  -  Bericht © 2007: Rolf Marschner, DL9CM

Die „Stella Polaris“/SIEN
Die „Stella Polaris“ war ein ganz besonderes Schiff. Gebaut wurde sie 1927 Im Auftrag der Bergen Line of Norway (BLoN) von den Götaverken Shipyard in Göteborg, den heutigen Götaverken Cityvarvet AB. Bis 1940 kreuzte sie durch die Fjorde zum Nordkap und fuhr nach Spitzbergen. Im Sommer setzte man sie auch in der Ostsee und im Mittelmeer ein. Im Winter machte sie Weltreisen. Sie hatte 165 Kabinen für Passagiere der ersten Klasse und 150 Besatzungsmitglieder. Angetrieben wurde das Schiff von zwei Dieselmotoren mit insgesamt 5300 PS, hergestellt bei Burmeister & Wain. Sie verliehen dem Schiff eine Geschwindigkeit von 15 kn. Die weiteren technischen Daten: Länge über Alles  = 126.8 m, Breite  = 15.54 m, Tiefgang  = 5.18 m, Anzahl der Schrauben  = 2
Während der Besetzung Norwegens durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg wurde die „Stella Polaris“ von der Kriegsmarine beschlagnahmt und diente als Wohnheim für U-Boots-Offiziere. Nach Kriegsende 1945 brachte sie auf mehreren Fahrten Kriegsgefangene von Norwegen nach Russland. Im Herbst 1945 wurde das schwer beschädigte Schiff nach Göteborg in die Werft gebracht und renoviert.
Im Herbst 1946 bis 1951 setzte die Bergen Line sie wieder als Kreuzfahrtschiff ein. Im selben Jahr kaufte sie der schwedische Verleger Einar Hansen. Er war der Besitzer des Verlages Allhem in Malmö. Er brachte das Schiff wieder in die Werft nach Göteburg und ließ sie danach unter Flagge seiner „Clipper Line“ fahren. Hansen ließ während dieser Zeit die „Stella Polaris“ dreimal umbauen und zwar in den Jahren 1954, 1965 und 1968.
Die „Stella Polaris“ nach Ende des Krieges.
Die Gäste an Bord des Schiffes waren hauptsächlich Amerikaner. Die Umbauten des Schiffes gefielen den amerikanischen Behörden jedoch nicht und das Schiff konnte keinen Profit mehr machen. Im Herbst 1969 kaufte eine japanische Gesellschaft das Schiff und setzte es als Hotelschiff ein. Die „Stella Polaris“ lag 30 Jahre an Pfählen vertäut im Hafen von Kisho Nishiura, auf der Halbinsel Izu, direkt gegenüber des „Fujisan“. In den ersten Jahren setzte man sie als „Hotel Scandinavia“ein, später bis zum 31. März 2005 als „Restaurant Scandinavia“. Danach wurde das Restaurant geschlossen. 
Im Mai 2005 wurde sie zum Kauf angeboten. Eine schwedische Gesellschaft kaufte das Schiff zurück und plante die „Stella Polaris“ nach Stockholm zu bringen. Am 26. Februar 2005 fand eine große „Sayonara-party“ an Bord statt. 78 Jahre nach ihrer Jungfernfahrt  sollte ein Schlepper das Schiff nach Schweden zurückbringen. Es war ein Abschied für immer. Der Schleppzug geriet in schlechtes Wetter. Am 1.September 17:00 UTC, (2. September 2006 02:00 Uhr Ortszeit), sank die „Stella Polaris“ wenige Kilometer vor Wakayama. Sie liegt dort in 70 Metern Tiefe. Bis zu diesem Zeitpunkt war die „Stella Polaris“ neben der „Doulos“ das dienstälteste Kreuzfahrtschiff der Welt.
Als Amateurfunker lernte ich bei verschiedenen Funkverbindungen nach Schweden ehemalige Seefunker kennen, die auf der „Stella Polaris“ gefahren waren. Zwei von ihnen stelle ich vor, sie kommen in der Reihenfolge der QSO’s:

Bengt Plessen, SM6JSS, fuhr als 2. Funker von Mai bis August 1963 auf der „Stella Polaris, später arbeitete er bei „Göteborg Radio“/SAG
Anders Bergström, SM0DFN, war von 1965 bis 1968 als 2. Funker an Bord. 
Funkstellenleiter war Arne Olsson, die Station war 16 Stunden besetzt.

Bengt Plessen (li.) und Anders Bergström auf der „Stella Polaris“/SIEN

Die Funkstation auf der „Stella Polaris“ / SIEN
Beschreibung der Station, Angaben von Anders Bergström:
In der unteren Reihe befinden sich von links nach rechts ein Eddystone 840 RX, ein Collins 51-S1, und ein Eddystone EC 10A als Notempfänger. Dieser RX war voll transistorisiert und wurde über eine Batterie betrieben. 
In der oberen Reihe von links nach rechts befinden sich der Notsender der Firma Svenska Radio AB (SRA), ein Langwellen-Empfänger ML-46 I und der Automatische Alarmempfänger. Darunter befindet sich ein Schaltgerät für die Lautsprecher der verschiedenen Empfänger.. Die Lautsprecher befinden sich oberhalb des Langwellen-Empfängers. Nicht sehen kann man den 600-Watt-Sender SRA MT-600. Es befand sich auch ein UKW-Transceiver von SRA in der Station. Auf dem Tisch befindet sich meine eigene Taste, die ich heute in einem Glasschrank aufbewahre.

Bildnachweis:
Bild 1, Bild 2, Bild 4 und Bild 5: Quelle / Source: Sammlung / Collection Anders Bergström, S  (Courtesy of / Mit freundl. Genehmigung 2006)
Bild 3  Quelle / Source: Sammlung / Collection Bengt Plessen, S (Courtesy of / Mit freundl. Genehmigung 2006)
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Version: 19-Jan-07 / Rev.: 06-Oct-09 / 22-May-11 / HBu