DS Berlin / QMBT
Bilder: Telefunken (4), Sammlung H.G. Korth (2) und "Bremer Vulkan" (1)  - 

Quelle: Telefunken-Zeitung Nr.42 / 1926 Quelle: Telefunken-Zeitung Nr.42 / 1926
Oben links:  Das Foto zeigt den Hauptsender der Funkstation des DS "Berlin" / QMBT: Einen 1925 modernen CP IV von Telefunken. Links im Bild steht die 1 KW-Endstufe des Senders, zwei der drei Röhren arbeiten als Gleichrichter, die rechte Röhre ist die Senderöhre. Der 2-stufige CP-IV arbeitete in den Bereichen 100 - 177 kHz und 375 - 500 kHz. Es waren 3 Betriebsarten möglich: ungedämpfte Telegrafie, tönende Telegrafie und - mit auf 500 Watt reduzierter Leistung - Telefonie. Der Antennenstrom betrug 10 bis 15 A. Im Foto nicht zu sehen sind der ausserdem vorhandene Löschfunkensender 1,5 TK und ein weiterer Löschfunkensender 0,5 TK als Notsender.
Oben rechts:  Rechts neben der Schalttafel die Empfangsseite der Funkstation. Zu erkennen sind ein Audion-Empfänger E 266  (1 Röhre RE 11 / erster Röhrenempfänger in der deutschen Handelsschiffahrt / ab 1922) für den Frequenzbereich von 15 kHz bis 1 MHz. Dahinter an der Wand der dazu gehörende NF-Verstärker EV 285. Auf dem Gerätetisch steht - unter den Isolatoren und Antennen-Umschaltern - an der rechten Wand ein Detektor-Empfänger E-5. Das Gerät stammt von 1906, sein Empfangsbereich liegt zwischen 100 und 1500 kHz.
Quelle: Sammlung H.G. Korth
Quelle: Sammlung H.G. Korth
Quelle: Telefunken-Zeitung Nr.42 / 1926
Oben links:  Der Funkoffizier bespricht den Sender CP IV  Oben mitte:  Ein Passagier telefoniert in der Telefonie-Zelle
Oben rechts:  Antennen-Niederführung  Das Bild zeigt die durch ein Drahtgestell gesicherte Niederführung der zwischen den beiden Mastspitzen des Schiffes gespannten Haupt-Sendeantenne (vier Drähte parallel). Die Niederführung befindet sich auf dem Bootsdeck an der Stb-Seite direkt über der Funkstation. Eine 2-drahtige Notsendeantenne ist zwischen den Schornsteinen gespannt, die Niederführung befindet sich ebenfalls in diesem Drahtgestell.
In einem separaten Peilraum oberhalb der Kommandobrücke stand eine Funkpeilanlage mit dem Empfänger E 326N von Telefunken. 
Im Februar 1926 fanden Telefonieversuche mit Norddeich Radio statt, die Presse meldete gute Erfolge bis zur Ankunft in New York.
Quelle: Telefunken-Zeitung Nr.42 / 1926
Oben:  Auf dem Einrichtungsplan der Funkstation sind die oben erwähnte Telefonie-Zelle, der Funk- und Telegramm-Annahmeraum eingezeichnet. Anhand dieser Skizze lassen sich die auf den Fotos oben die abgebildeten Geräte gut zuordnen. Auch die Wohnräume für drei Funkoffiziere sind verzeichnet. In jeder Kabine befindet sich eine Waschmöglichkeit, die Toilettenanlage wird gemeinsam benutzt.
Werksfoto Bremer Vulkan Links: Das Dampfschiff "Berlin"
Die 15286 BRT grosse "Berlin" / QMBT wurde 1925 als Nr. 614 von der Werft "Bremer Vulkan" für den Norddeutschen Lloyd gebaut. Das Schiff war 174,30 Meter lang und 21 Meter breit, es konnte zunächst 1195 Passagiere und 326 Mann Besatzung aufnehmen. Zwei 3-fach Expansionsmaschinen leisteten zusammen 12 000 PS und 
verliehen dem 2-Schrauben-Schiff, das zwischen Bremerhaven und New York eingesetzt wurde, eine Geschwindigkeit von gut 16 Knoten. Im November 1928 beteiligt sich die "Berlin" an den Rettungsmassnahmen beim Untergang der "Vestris" rund 250 Meilen südöstlich von Sandy Hook (US-Ostküste). Die "Berlin" steuert die Seenotposition (37.33n 71.08w) mit Hilfe des Funkpeilers an und rettet 22 Personen. In den 30er Jahren wurden die Passagierseinrichtungen mehrfach umgebaut. Nach Kriegausbruch 1939 fand sie Verwendung als Lazarettschiff und lag viele Monate in einem Fjord bei Kirkenes. Am 1. Februar 1945 lief sie als Flüchtlingstransporter vor Swinemünde auf eine Mine (Andere Quelle: Bombentreffer) und sank. 1948/49 wird das Schiff gehoben, in Warnemünde auf der Warnowwerft repariert, 1957 als "Admiral Nachimow" / KUDD an die damalige Sowjetunion abgeliefert und als Passagierschiff mit Heimathafen Odessa eingesetzt. Am 31. August 1986 kollidierte das Schiff im Schwarzen Meer mit einem sowjetischen Frachter und sank innerhalb von 15 Minuten. Beim Untergang der knapp 61 Jahre alten ehemaligen "Berlin" fanden 423 Menschen den Tod.
Bildnachweis

Bild 1, Bild 2, Bild 5 und Bild 6: Quelle: Telefunken-Zeitung Nr. 42 (April 1926 / Mit freundl. Genehmigung des DTM Berlin 12-Feb-10 / Herr Schmalfuss)
Bild 3 und Bild 4, Quelle: Sammlung H.G. Korth  (Mit freundl. Genehmigung 2001)
Bild 7: Werksfoto Bremer Vulkan, Quelle: "Werftgeschichte Bremer Vulkan, Schiffschronik" von 1955, Seite 308 oben, Urheber dort nicht genannt, Firma erloschen
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