Rundfunkempfang an Bord in den 30er Jahren
mit: Telefunken "Ozean-Super", "Seibt ER 1" und  "Radione R2"
Fotos: Wolfgang Thelen (2) und H. Busch (2)  -  
Oben links und rechts:   Der Rundfunkempfänger "Ozean-Super" ist eine auf die Bedingungen an Bord eines Seeschiffes zugeschnittene Ausführung des Radios "Ocean" 659 WLK von Telefunken aus dem Jahr 1934. Der in einem stabilen Gehäuse untergebrachte 7-Kreiser arbeitete im Rundfunkband auf der Mittelwelle und auf zwei Kurzwellenbändern. Der Superhet mit der für den Schiffsbetrieb ungüstigen ZF von 468 kHz (468 kHz war auch eine Schiffsfrequenz für Seefunk-Telegrafie) benötigt 110/220 V~ als Betriebsspannung, ein Lautsprecher ist nicht eingebaut. Die Röhrenbestückung ist mir nicht bekannt.
Der "Ozean-Super" wurde als Empfänger für den Gemeinschaftsempfang an Bord von Schiffen mit grösseren Besatzungen eingesetzt. (z.B. Walfangmutterschiff "Jan Wellem" / DIAE) oder auch auf Passagierschiffen (z.B. "Pretotia" / DJSG). Über einen externen Verstärker wurde die NF auf Lautsprecher übertragen, die in den Gemeinschaftsräumen und den Messen angebracht waren. So war gewährleistet, dass nur "linientreue" Stationen empfangen wurden. Der Betrieb privater Radios war verboten!  Ein Überbleibsel dieser Bestimmung gab es noch in den 90er Jahren: Der Betrieb privater Radios musste eigentlich von der Schiffsleitung genehmigt werden! Niemand hielt sich daran und es wusste wohl auch kaum jemand davon!  Der Grund dafür war: Die Empfangsantennen beeinflussen die Funkpeil-Ergebnisse.
Oben links:  Empfänger Seibt ER 1  Ähnliche Funktion wie der oben beschriebene "Ozean-Super" hatte an Bord einiger Schiffe der Empfänger ER1 von der Firma Seibt, der 1938 als sog. "Wehrmachtsempfänger" auf den Markt kam und ebenfalls für den "Gemeinschafts-
Empfang" gedacht war. Das Foto zeigt, dass das Holzgehäuse bei weitem nicht die mechanischen Eigenschaften aufweist, wie das Telefunkengerät. Der Frequenzbereich des Überlagerungsempfängers, der auch einen abschaltbaren Telegrafie-Überlagerer hatte, lag in 5 Teilbereichen zwischen 100 kHz und 22 MHz. Ein Lautsprecher war eingebaut.
Oben rechts:  Der Kofferempfänger R2 von Radione war wegen seiner sehr guten Empfangseigenschaften ebenfalls ein beliebter Rundfunkempfänger. Das Gerät von 1939 ist ein Einfachsuper (ZF: 470 kHz) und wurde in verschieden Ausführungen mit unterschiedlichen Frequenzbereichen (157-410 kHz, 515-1500 MHz,und Kurzwelle 6-18MHz, andere Typen bis 12 MHz oder bis 26 MHz) gebaut und war sogar auf U-Booten zu finden, wo er - neben dem Rundfunkempfang - für Wetter-, Warn- und Betriebsmeldungen benutzt wurde. 
Die Röhrenbestückung: Je eine EF13, ECH11, EF11, EBC11, EDD11 und EZ11. Weitere Bedienungselemente befinden sich an der rechten Seite und oben auf dem Gerät. Der Name "Radione" setzt sich aus dem Wort "Radio" und den Anfangsbuchstaben des Names seines Firmeninhabers (Nikolaus von Eltz) zusammen. Die österreichische Firma mit Sitz in Wien existierte von 1924 bis 1977. 
Bildnachweis:

Abb.1 und Abb.2  Urheber gem.§7 Urh.G.: Wolfgang Thelen, Berlin (Mit freundl.Genehmigung 2007)
Abb.3 und Abb.4  Urheber gem.§7 Urh.G.: Heinrich Busch, Berne
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Version: 14-Nov-08 / Rev.: 04-Jun-11 / HBu