GMDSS Küstenfunkstelle Litauen
(Global Maritime Distress and Safety System)
Bericht © 2008: Joachim Paul, DJ7WL

Im Jahr 1998 hat meine damalige Firma SAM Electronics den Auftrag erhalten das GMDSS Küstenfunk-Projekt für die Küste Litauens zu planen und in Betrieb zunehmen. Für die Durchführung wurde ich zum Projektleiter ernannt. Bin im Jahr 1998 dorthin gereist um die örtlichen Gegebenheiten zu untersuchen. Das GMDSS System soll die UKW Abdeckung sowie die Grenz- und Kurzwellenbereichs-Abdeckung des litauischen Hoheitsgebiet gewährleisten. In das System  wird dazu noch eine Inmarsat Anlage Standard B integriert für die Abdeckung der A3 Zone.
A1 VHF (UKW): Eine Küstenzone in der Reichweite mindestens einer UKW-Küstenfunkstelle, die eine durchgehende Alarmierung mittels DSC sicherstellt.
A2 Grenzwellen: Eine Zone, ausgeschlossen die Zone A1, in der Reichweite mindestens einer Küstenfunkstelle, die auf Grenzwellen arbeitet und eine durchgehende Alarmierung mittels DSC sicherstellt.
A3 Inmarsat: Eine Zone, ausgeschlossen die Zonen A1 und A2, innerhalb des Abdeckungsbereichs eines geostationären Inmarsat-Satelliten, der eine durchgehende Möglichkeit zur Alarmierung sicherstellt.
Die Küste Litauens ist ca 80 km lang. Die Zentralstation soll in Klaipeda dem früheren Memel installiert werden. Eine geeignete Location wurde im Klaipeda State Seaport im Gebäude des Harbour Master bereitgestellt. Die benötigten UKW Antennen können hier in einer Höhe von 40 Meter über Grund angebracht werden und auch ein Platz am Turm für die Inmarsat B Anlage wurde gefunden.
Im Norden von Litauen wurde ein geeigneter und hochgelegener Ort auf dem Leuchtfeuer von Sventoji für die Installation festgelegt.
Im Süden fand sich ein Gebäude der Verwaltung mit einem hohen Mast im Ort Nida, dem früheren Nidden, auf der Kurischen Nehrung.

Eine geeignete Datenkommunikations-Infrastruktur zwischen diesen Punkten auf der Basis von vorhandenen Kabeln war nicht gegeben. Deshalb wurde ein Richtfunksystem eingesetzt um die NF-Übertragung sowie die Datenkommunikation zwischen Klaipeda und Nida sowie zwischen Klaipeda und Sventoji zu gewährleisten.

Mit vielen Fotos, Aufzeichnungen und Gebäudeplänen machte ich mich auf den Rückweg nach Hamburg um an der Realisierung des Projektes zu arbeiten.

Zurück in Hamburg wurden die nötigen Berechnungen erstellt, es wurden Schaltpläne gezeichnet, dazu die Anordnung der einzelnen Komponenten im System dargestellt. Die Gestelle für die einzelnen Betriebsstätten wurden gebaut. Alle Systeme erhalten eine Notstromversorgung aus Batterien und automatischem Ladegerät  um bei einem Stromausfall den Betrieb über 6 Stunden aufrecht zu erhalten. Alle Teile des Systems sind doppelt vorhanden und schalten im Fehlerfall automatisch auf das Reservesystem um.
Vor der Auslieferung sind alle Komponenten des Systems in Hamburg betriebsfertig aufgebaut worden. Die Streckendämpfung wurde in geeigneter Form nachgebildet. Alle Komponenten wurden einem ausgiebigen Test unterzogen. Nach erfolgreichem Test wurden alle Geräte, Gestelle, Antennen etc. nach Litauen zum Versand gebracht. Unsere Vertragsfirma hat anschließend alle Teile des Systems nach unseren Angaben sachgerecht installiert.
Links:  Erprobung in Hamburg  Im Vordergrund der Steuerrechner. Rechts das Gestell Klaipeda und links die Gestelle Nida und Sventoji
m April 1999 bin ich dann zur Inbetriebnahme nach Klaipeda geflogen. Alle Komponenten wurden sorgfältig eingepegelt. Nacheinander wurden die Strecken Klaipeda-Nida und Klaipeda-Sventoji betriebsklar gemacht. Anschließend folgte ein ausgiebiger Test aller Geräte.
Links:   Klaipeda aussen  Der Turm Klaipeda mit den Antennen

Unten:  Turm Klaipeda  Nahansicht der Installation

Foto oben links:  "Radar und Peiler"  zeigt Radarantenne, UKW Antennen und Peiler-Antenne in Klaipeda 
Foto oben rechts:  "SatCom-Antenne"  Position der Antenne für die Inmarsat Standard-B Anlage in Klaipeda.

Foto oben:  "Turm Sventoji"  zeigt das 
Leuchtfeuer Sventoji in der Übersicht.

Oben rechts: "Richtfunk Antenne"
angebracht am Turm.

Foto rechts:  „Leuchtfeuer Sventoji“
Blick auf die Optik des Leuchtfeuers
und den Installationsort der GMDSS-
Komponenten


Links:  „Überfahrt Kurische Nehrung“  auf dem Wege zur Station Nida. 
Wegen sehr schlechten Wetters konnten keine Außenaufnahmen vom Standort Nida gemacht werden.
 

Von der Zentralstation Klaipeda aus wurden alle Komponenten des GMDSS Systems erprobt.

Unten links:  Die Zentralstation Klaipeda  Die linke Seite der Zentralstation Klaipeda, rechts sieht man den Monitor des GMDSS Rechners
Unten rechts:  Die Zentralstation Klaipeda  Die rechte Seite mit dem Bedienpersonal vor dem GMDSS Arbeitsplatz

Oben links:  Ein erster Funktionstest wurde mit dieser simulierten "Schiffsstation" durchgeführt
Oben rechts:  Der „SystemTest“,  hier wird gezeigt wie eine Testaussendung von allen Stationen im System empfangen wird. Nach einer Testaussendung an alle Stationen sieht man die Empfangsergebnisse im linken unteren Teil.
Vom Maritime Rescue Coordination Center (MRCC) Klaipeda aus wurde ein Rettungsschiff auf den Weg gebracht um das zu überwachende Gebiet anzufahren und die erzielte Feldstärke zu messen sowie die Digital Selective Calling DSC Funktionen zu testen und hier insbesondere die Distress Funktion.
Unten links:  „Distress Test“  So sieht eine Distress Meldung aus, hier für Testzwecke vom Seenot Rettungsschiff im Testgebiet ausgesendet
Oben rechts:  Heimreise  Die Maschine steht bereit zum Rückflug nach Hamburg. Nach der mehrtägigen Erprobung des GMDSS Systems MRCC Klaipeda wurde ein Protokoll geschrieben und von allen Beteiligten unterschrieben. Danach habe ich den Rückflug angetreten.
Bildnachweis:

Alle Fotos (16)  Urheber gem.§7 Urh.G.: Joachim Paul, DJ7WL  (Mit freundl. Genehmigung 2008)
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Version: 07-Feb-08 / Rev.: 09-Jun-11 / HBu