Helgoland Radio / KHG
Bericht © 2010: Rolf Marschner, DL9CM und Heinrich Busch, Berne

Auf dem Oberland von Helgoland befand am Ende des Ersten Weltkrieges eine Marine-Funkanlage. Als 1920 geplant wurde, auf Helgoland eine Küstenfunkstelle einzurichten, sollte diese jedoch im Postamt Helgoland - und damit auf dem Unterland - errichtet werden. Dabei wurde in Kauf genommen, dass diese Lage die Reichweite der zukünftigen Station beeinträchtigen würde. Die Marine erklärte sich bereit, der Post für die neue Station einige Geräte zu überlassen. Mit dem Bau der Anlage sollte im Februar 1921 begonnen werden.


 
 
 
 
 
 
 
 

 

Die Fotos links  stammen aus der Sammlung von Helmut Bellmer, dem ehemaligen Leiter von Elbe-Weser Radio und stellen - zieht man den eingangs beschriebenen Vorgang in Betracht - die Marinefunkstelle Helgoland auf dem Oberland in ihrem Zustand von vor 1921 dar. Ein Zeitvermerk auf der Rückseite des Bildes weist auf 1920 hin. 
Sender des hier abgebildeten Typs wurden von 1902 bis 1907 bei Telefunken gebaut: Die Knallfunkenstrecke (2) mit den Induktoren (1) bildet mit einer Gruppe von Leydener Flaschen (3) und der Koppelspule (5) das Primärsystem eines
2-kreisigen "Knall"-Funkensenders nach dem System Braun / Siemens. Das Sekundärsystem besteht aus Antenne und Koppelspule (5). Auffällig sind die kräftigen Isolatoren, auf denen die Funkenstrecke (2) befestigt ist.
Die beiden Hör-Empfänger (4) der Station stammen von Telefunken und wurden ab 1912 gebaut. Der Typ ist MUZE C12, der Frequenzbereich umfasst 30 - 750 kHz. Die Abkürzung "MUZE" steht für Marine-Universal-Zellen-Empfänger, wobei "Zelle" die gebräuchliche Bezeichnung für den Kristalldetektor war.
Auf dem zweiten Foto sind lediglich die beiden Empfänger MUZE C12 zu erkennen. Für den Empfang ungedämpfter Wellen wurde ein Ticker direkt an den per Drehkondensator abgestimmten Sekundärkreis angeschlossen.
Der Funker ist Franz Schmidt später Betriebsleiter bei Elbe-Weser Radio / DAC. Ab 1942 Leiter der Sendefunkstelle Elmshorn, danach bis zur Pensionierung Abteilungsleiter für Technik beim Funkamt Hamburg. Franz Schmidt war Onkel von Helmut Bellmer, aus dessen Sammlung diese Fotos stammen.

Die Küstenfunkstelle Helgoland Radio / KHG wurde am 10. März 1921 in Betrieb genommen. Ihre Einrichtung bestand aus einem Tonfunkensender Typ G800 von Lorenz für Telegrafie im Frequenzbereich 330 bis 1000 kHz, einem von der Marine übernommenen Detektor-Empfänger MUZE C/12, und einem Röhrenverstärker EV 192 von Telefunken.

oben:  Helgoland Radio / KHG um 1925  Das Foto zeigt die Ausrüstung der Küstenfunkstelle Helgoland Radio / KHG Mitte der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Sie war in einem Zimmer im Dachgeschoss des Postamtes Helgoland untergebracht. Die Ausrüstung deckt sich mit obiger Liste.
Links im Bild steht der  800-W-Löschfunkensender vom Typ G 800 von Lorenz. Ab 1914 baute Lorenz parallel zu Lichtbogensendern auch Löschfunkensender für Leistungen bis zu 1400 Watt. Durch spezielle Zusammenschaltung einer Abreiss- und einer Hauptfunkenstrecke wurde bei diesem Sendertyp das Abreissen der Funkenentladung wesentlich beschleunigt. Am pultförmigen Sendergehäuse befindet sich links das Stoßkreis-, rechts das Antennenvariometer. Dazwischen unter einer Klappe eine rotierende Abreissfunkenstrecke. 
In der Mitte des Fotos steht die Sender-Schlattafel, daran befinden sich auch die Bedienungselemente für den Haupt- und Reserveumformer der Station. Die Umformer selbst stehen im Keller des Postamtes.
Rechts steht der Detektorempfänger Empfänger MUZE C12, links daneben an der Wand befindet sich der Röhrenverstärker EV 192.

links:  Der Grundriss des Betriebsraumes  weist etwa 12 Quadratmeter aus und zeigt die Zusammenstellung der Geräte so, wie sie auch oben auf dem Foto gezeigt wird. Die Bezeichnungen von Empfänger und Röhren- verstärker sind hier vertauscht worden.

Als Antenne dienten zwei Drähte von 38 und 50 m Länge, die zwischen dem Dach des Postamtes und dem Turm an einem nahegelegenen Gebäude gespannt waren. Für Telegrafie (A1 und A2) wurde Helgoland Radio 1928 noch mit einem Röhrensender ausgerüstet, die Station war bis Anfang der 30er Jahre in Betrieb und wurde dann stillgelegt.
Benutze Quellen:

Fritz Trenkle: "Die deutschen Funknachrichtenanlagen bis 1945" Band 1 "Die ersten 40 Jahre"
Wilhelm Hahn: "Einrichtungen der Küsten- und Seefunkstellen zur Zeit der Reichspost" in "Archiv für das Post- und Fernmeldewesen" Nr. 3/1966
Bildnachweis:

Bild 1, Bild 2 und Bild 3  Quelle: Sammlung Helmut "Commodore" Bellmer († 2008 / Mit freundl. Genehmigung 2000)
Abb. 4  Quelle: W. Hahn in "Einrichtungen der Küsten- und Seefunkstellen zur Zeit der Reichspost" in "Archiv für das Post- und Fernmeldewesen" Nr. 3/1966
Zur Seefunk-Homepage
Version: 05-Nov-05 / Rev. 29-Jan-08 / 29-May-10 / 06-Jun-11 / HBu