TS Potsdam / DOQS
Fotos: Debeg (1) und Sammlung H.G. Korth (2)  - 

Foto oben: Im Funkraum der Potsdam / DOQS sind zwei gleichartige Funkarbeitsplätze installiert. Als Empfänger für den Frequenzbereich zwischen 10 kHz und 20 Mhz dienen jeweils ein Zweikreis-Geradeausempfänger E 381H von Telefunken. Im Foto oben steht ein solcher Empfänger auf dem Schreibtisch, das runde Gerät daneben ist der Lautsprecher. Der zweite E 381H ist unten links gerade noch zu erkennen. Rechts im Bild sieht man die in die Wand eingelassenen Sender der Station. 
Foto unten links:  Dieses Foto ist von der gegenüberliegenden Wand, als von der Tür aus, aufgenommen worden und zeigt beide Arbeitsplätze mit den Empfängern, den Lautsprechern, den (abklappbaren) Schreibmaschinen und die Dokumentenablagen mit den Telefonen oben drauf. Auf den Fotos oben und unten links erkennt man die "Bordnetz-Unabhängige Sprechverbindung zur Brücke", hier in Form eines Schlauches mit Trillerpfeiffe.
Foto unten rechts: Das Foto zeigt die Sendeanlage der Seefunkstelle, Teile davon sind auch im Foto oben zu sehen. Links steckt der 2-stufige Sender S318 H von Telefunken (ab 1933). Er ist wird für Telefonie-Betrieb im Grenzwellen-Bereich (1500 - 3333 kHz) benutzt. Rechts daneben unter den Schaltkästen für die Stromversorgung befindet sich ein Kurzwellensender Lo150 von Lorenz. Der 3stufige 150 Watt-Sender erfasst den Bereich zwischen 3,3 und 20 MHz (15 - 90 m) in den Sendearten waren A1, A2 und A3. Die drei hohen Einschübe rechts daneben (im Foto oben nur noch halb zu sehen) bilden den 800 Watt Langwellensender S289 S ("Orinoco-Sender") von Telefunken. Das Gerät arbeiteten zwischen 100 und 600 kHz in den Betriebsarten A1 und A2. Rechts im Bild ist die Schalttafel.
Die "Potsdam" / DOQS wurde 1934/35 als Baunummer 497 bei Blohm & Voss in Hamburg zunächst für die Hapag gebaut. Im Februar 1935 übernahm der Norddeutsche Lloyd den Auftrag und stellte das Schiff im Sommer 1935 mit einer Jungfernreise nach Japan in Dienst. Das neue Schiff war 193,10 Meter lang, 22,60 Meter breit, mit 17528 BRT / 11976 NRT vermessen und hatte Einrichtungen für mehr als 250 Passagiere, 275 Personen bildeten die Besatzung. 
Der Antrieb bestand aus zwei Sätzen Turbogeneratoren, die die Energie für zwei elektrische Fahrmotoren lieferten. Diese wiederum wirkten auf zwei Schrauben und verliehen dem Schiff eine Dienstgeschwindigkeit von 21 und eine Höchstgeschwindigkeit von 23 Knoten. 
Ein Dieselantrieb wäre sicher wirtschaftlicher gewesen, hätte jedoch wegen der Grösse des Schiffes und der geforderten Geschwindigkeit wesentlich mehr Raum beansprucht und durch Vibrationen und Geräusche den Passagierbetrieb stark beeinträchtigt. (Durch technische Neuerungen erreichte der Turbinenantrieb in den 30er Jahren mit etwa 35% fast den Wirkungsgrad eines Dieselmotors. Der Dieselantrieb bekam erst in den 50er Jahren durch die Anwendung von Abgasturboladern wieder eine spürbare Leistungssteigerung.) 
TS "Potsdam" / DOQS (1935)  Beim Bau der "Potsdam" wurden der Verbindungen der Stahlplanken grösstenteils geschweisst statt - wie bis dahin üblich - genietet. Durch die Gewichtsersparnis erhöhte sich die Tragfähigkeit der "Potsdam" verglichen mit den fast baugleichen Schwesterschiffen "Gneisenau" und "Scharnhorst" um rund 1000 Tonnen. 
Bei Kriegsausbruch im September 1939 befand sich das Schiff an der spanischen Küste auf der Ausreise nach Ostasien. Es wurde nach Deutschland zurück beordert, 1940 als Wohnschiff in Hamburg aufgelegt, diente es 1941/42 für einige Reisen als Truppentransporter nach Norwegen und in die Ostsee. 1942 plante man  bei Blohm & Voss den Umbau zum Flugzeugträger (Deckname "Elbe"), das Schiff wurde jedoch zum Wohnschiff für die 2.ULD (Unterseeboot-Lehrdivision) umgerüstet und zusammen mit der "Wilhelm Gustloff" im damaligen Gotenhafen (heute Gdynia) stationiert. Von dort aus wirkte die "Potsdam" 1944/45 auch bei der Evakuierung der deutschen Bevölkerung  aus den Ostgebieten mit.
Im Mai 1945 übernahmen die britischen Streitkräfte in Flensburg das Schiff, benannten es in "Empire Jewel" / GMFW um, verholten es im Juni mit deutscher Besatzung unter Aufsicht der Royal Navy nach Kiel und legten es nach einer Kanalpassage am 19. Juni 1945 in Brunsbüttel auf. Im Juli 1945 wurde die ex "Potsdam" zusammen mit anderen beschlagnahmten deutschen Schiffe nach Methil am Firth of Forth verholt. Im Frühjahr 1946 wurde das Schiff bei Harland & Wolff in Belfast einer Grundüberholung unterzogen, unter das Management von P&O gestellt und in "Empire Fowey" / GMFW umbenannt. Von 1947 bis 1950 wurde es auf der Werft von Alexander Stephen & Sons Ltd in Glasgow umgebaut. Der Antrieb bestand jetzt aus 2 Satz Getriebeturbinen von 18000 PS, die direkt auf die beiden Schrauben wirkten. Höchstgeschwindigkeit: 18 Knoten. Die neue Vermessung ergab 19121 BRT, 13274 NRT und 10850 tons deadweight. "Empire Fowey" diente bis 1960 als Truppentransporter zwischen Grossbritannien und dem Nahen und Fernen Osten. Nach kurzer Aufliegezeit in Portland am Bristol-Channel wurde das Schiff im Mai 1960 an die pakistanische Reederei PISC (Pan-Islamic Steamship Co Ltd of Karachi) verkauft, die es in "Safina-e-Hujjaj" umbenannte und für Pilgerreisen von Karachi nach Jeddah einsetzte. An Bord wurden 166 Passagiere der 1.Klasse, 295 der 2.Klasse und 2141 Pilger untergebracht, das Schiff machte in den 66 Tagen der Hadsch 5 Rundreisen Karachi - Jeddah - Karachi. Ab 1964 wurde die "Safina-e-Hujjaj" auch im Ostasiendienst Karachi - Hong Kong eingesetzt, ein Jahr später auch im Dienst nach Ost-Afrika. "Safina-e-Hujjaj" war das letzte Passagierschiff, das pakistanische Pilger ins "Heilige Land" und zurück transportierte. Im Oktober 1976 wurde die nun fast 42 Jahre alte ehemalige "Potsdam" in Gadany Beach "gebeached" und abgebrochen.
Bildnachweis:

Bild 1   Quelle: Telefunken in "Telefunken-Zeitung" Nr.71 (1935)
Bild 2 und Bild 3:  Sammlung Hans-Georg Korth, Bremen  (Mit freundl. Genehmigung 1999)
Zur Seefunk-Homepage
Version: 05-Okt-2008 / Rev.: 30-Sep-09 / 22-May-11 / 09-Jul-11 / HBu