Viermastbark Kommodore Johnsen / DOFN
Fotos: Debeg (1),  Saebens (1), Hapag-Lloyd (1) und Heiko Fath, HP (1)  - 

1936 erwarb der Norddeutsche Lloyd die Viermastbark "Magdalene Vinnen" und liess sie zum frachtfahrenden Segelschulschiff umrüsten. Aus dieser Zeit stammt die links abgebildete Funkstation des Schiffes. 
Links neben der Tür hängt an der Wand der Mittelwellensender 
S 356S von Telefunken. Das Gerät arbeitet zwischen 316 und 513 kHz in den Betriebsarten A1 oder A2 und leistet 200 W. Die Röhren- bestückung: Drei RS 237 im Sender und zwei RG 62 im Gleichrichter. Der Sender ist nach Abnehmen des Deckels von 5 Seiten aus zugänglich, schaltungsmässig zusammengehörende Teile sind zu Baugruppen zusammengefasst und einzeln abnehmbar. 
Links auf dem Tisch steht ein Zweikreis-Geradeausempfänger Telefunken E-381. Er deckt in 10 Teilbereichen den Frequenzbereich von 10 kHz bis 20 MHz ab. Wegen seiner ungewöhnlichen Formgebung wurde der Empfänger auch liebevoll "Brotkasten" genannt. 
Zusätzlich zur hier gezeigten Ausrüstung war auch ein Kurzwellen- sender an Bord, wegen seines geringen Platzbedarfs war es vermutlich ein 150-Watt-Sender Lo150 von Lorenz (3,3-20 MHz / A1, A2, A3).
Der vorgeschriebene Autoalarm-Empfänger für Empfang und Auswertung des Telegrafiefunk-Alarmzeichens auf 500 kHz war sicher ein Gerät vom Typ E 372S (im Foto links nicht sichtbar), von dem Telefunken ab 1930 450 Stück hergestellt und installiert hat.
Links:  FT-Station der Kommodore Johnsen / DOFN
Die spätere "Kommodore Johnsen" wurde von 1919 bis 1921 als Viermastbark "Magdalene Vinnen" von der Germaniawerft (Krupp AG) in Kiel unter der Nummer 372 für die Bremer Reederei F.A. Vinnen gebaut. Die lange Bauzeit ist auf Materialknappheit in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg zurückzuführen. Das Schiff ist 109 m lang, 14,66 m breit, mit 3572 BRT vermessen, die Segelfläche beträgt 3393 m² . 
Bei Indienststellung am 25. September 1921 war "Magdalene Vinnen" das grösste Segelschiff der Welt.
Oben: Die "Magdalene Vinnen" auf der Unterweser  Als Hilfsantrieb war ein 4-Takt-Dieselmotor mit einer Leistung von rund 550 PS eingebaut worden, die "Magdalene Vinnen" war also ein Motorsegler. Zum Antrieb des Generators für die - auf Seglern bisher nicht übliche - elektrische Beleuchtung und zum Antrieb der Lenz- und Ballastpumpen war zusätzlich ein Glühkopfmotor vorhanden. 
Die Zusammenstellung der ersten Funkanlage ist nicht bekannt, das Schiff hatte aber wegen der enormen Antennenhöhe über den Mastspitzen immer gute Verbindung mit Norddeich Radio. 
1936 erwarb der Norddeutsche Lloyd das immer noch grösste Segelschiff der Welt, rüstete es zum Segelschulschiff aus und benannte es nach einem langjährigen Segel- und Passagierschiffskapitän und Kommodore des NDL in "Kommodore Johnsen" um. Die Stammbesatzung bestand jetzt aus 33 Personen, dazu kamen 60 Offiziersanwärter.
Oben: Segelschulschiff "Kommodore Johnsen" / DOFN  (ex "Magdalene Vinnen")   Im Oktober 1936 ging das Schulschiff von Bremen aus mit Kohle für Montevideo auf die erste Reise. Für die Heimreise war Getreide von Buenos Aires nach Hamburg gebucht. 
Am 8. Januar 1937 hatte die "Kommodore Johnsen" 4960 to Weizen an Bord, der - teils lose, teils in Säcken - fachmännisch verstaut war. Das Schiff verliess mit Schlepperhilfe den Hafen von Buenos Aires.
Am 1. März, nach passieren einer Azoreninsel briste der Wind innerhalb weniger Stunden von SW 5 auf Orkanstärke mit heftigen Böen auf. Das Schiff hielt zunächst eine Schlagseite von 20 Grad, diese nahm dann aber auf 35 bis 45, am 3. März auf mehr als 50 Grad zu. Am 3. März gegen 18:30 befahl Kapitän Lehmberg SOS zu senden: 
+ + SOS + SOS + DEUTSCHER SEGLER „KOMMODORE JOHNSEN" SCHWERE HAVARIE + 
WIR TREIBEN + POSITION AM 3. MAERZ UM 18 UHR MGZ 41° 01' NORD 27° 55' WEST + 
Fünf Schiffe antworteten auf den Notruf, darunter auch der NDL-Dampfer "Eisenach". Um 12:45 GMT am 4. März sendete die "Kommodore Johnsen" Peilzeichen auf 500 kHz. Die Kreuzpeilung der fünf zur Hilfe eilenden Schiffe ergab die Seenotposition 40° 37' Nord 26° 30' West. Die Gewalt des Orkans liess langsam nach, an Bord der "Kommodore Johnsen" konnte man mit dem Umstauen der Ladung beginnen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit flaute der Wind auf Stärke 8 ab, die Umstauarbeiten verminderten die Schlagseite bis Mitternacht so, dass das Schiff keine weitere Hilfe mehr benötigte. Die Viermastbark erreichte am 18. März 1937 wohlbehalten Hamburg.
Bei Kriegsende im May 1945 lag die "Kommodore Johnsen" in Flensburg. Im Dezember wurde das Schiff nach Hamburg verholt und dort an England abgeliefert. Im Januar wurde sie in Swinemünde von den Briten an die UDSSR übergeben. Die Sowjetunion betrieb zunächst Ausbildung von Marinesoldaten auf dem Schiff, das nach einem sowjetischen Polarforscher in "Sedov" umbenannt worden war. Seit 1949 benutzt die sowje- tische, heute die russische Handelsflotte die "Sedov" zur Ausbildung des seemännischen Nachwuchses der Handelsschiffahrt und der Fischerei.

Seit 1991 ist Murmansk Heimathafen der "Sedov", seit 1989 können Kadetten aller Nationen ihre seemännische Ausbildung auf der "Sedov" absolvieren.

Oben:   Die "Sedov" während der Kieler Woche 2008   2005 wurden Teile des deutschen Fernsehfilms "Der Untergang der Pamir" an Bord der "Sedov" gedreht. Aus diesem Anlass erhielt das eigentlich in weiss gehaltene Schiff den dunklen Aussenanstrich der "Flying-P-Liner"  ("Pamir", "Passat", "Peking", "Potosi" usw.) - und trägt ihn, wie das Foto von Heiko Fath beweist, bis heute. Die Viermastbark "Sedov" ist - abgesehen vom Neubau und Fünfmast-Vollschiff "Royal Clipper" - immer noch der grösste Segler der Welt. 
Bildnachweis:

Bild 1 Quelle: TELEFUNKEN in "Telefunken-Zeitung" Nr. 75, März 1937 / Seite 78, unten
Bild 2 Urheber gem. § 7 Urh G: Saeben, Worpswede, 1922
Bild 3 Quelle: Norddeutscher Lloyd, Bremen  (1936 / seit 1971: Hapag-Lloyd AG, Hamburg)
Bild 4 Urheber gem. § 7 Urh G: Heiko Fath, Heppenheim, 2008 (Mit freundl. Genehmigung 2008)
Zur Seefunk-Homepage
Version: 11-Oct-08 / Rev.: 20-Sep-09 / 21-May-11 / HBu