MS Norcape / DKJR
Fotos (4): Christian Pahl, DK1QG 

Das Fährschiff "Norcape" / DKJR wurde 1970 gebaut und von der Firma Hagenuk (Kiel) mit einer Funkanlagen ausgerüstet. Am Arbeitsplatz (Foto links) steht ganz links ein Allwellenempfänger E 81. Das Gerät wurde von 1969 bis 1973 von Eddystone als Eddystone 830/12 in England gebaut und ab 1970 bei HAGENUK als Hauptempfänger E81 eingesetzt. In 9 Teilbereichen deckt er das Band zwischen 120 kHz und 30 MHz in den Betriebsarten A1, A2 und A3 ab. Unter dem linken Fenster ist die Stationsuhr angebracht, man erkennt die farbigen Segmente zur Kennzeichnung der Seenotpausen: Rot für Funktelegrafie auf 500 kHz und grün für Funktelefonie auf 2182 kHz. Unter dem grossen Rufzeichenschild befindet sich ein Bedienpult mit dem Verteiler der NF und der Tastleitungen. Rechts neben diesem Pult steht eine Morsetaste auf dem Tisch. Ganz rechts im Bild steht - nur noch zur Hälfte sichtbar - der Notempfänger der Station: Ein E 80 von Hagenuk. Der E 80 deckt in 4 Teilen die Frequenzbereiche 100 bis 530 kHz und 620 bis 4350 kHz ab. 
Auf dem Foto rechts ist die Sendeanlage abgebildet. Im linken Gestell oben steckt der Sendeantennen-Wahlschalter, darunter der Kurzwellensender Hagenuk KS 301. Er arbeitet quarzgesteuert in den Seefunkbändern zwischen 4 und 22 MHz auf maximal 20 Festfrequenzen pro Band in den Sendearten werden A1, A2 (Modulationsfrequenz: 1000 Hz) und A3. Der unterste Einschub beinhaltet den Modulator für den KS 301 und ausserdem die Stromversorgung für die komplette Sendeanlage. Im rechten Gestell steht oben der Notsender. Es handelt dich hier um den S125 von Elektromekano, der von Hagenuk als MS 90N eingesetzt wurde. Der Sender kann auf die für den Seefunk vorgesehenen Mittelwellenfrequenzen zwischen 410 und 512 kHz abgestimmt werden und bringt dabei max. 75 W Leistung. In der Mitte ist der Grenzwellensender GS 101 (bis zu 20 quarzgesteuerte Frequenzen zwischen 1600 und 4250 kHz, Betriebsarten A1, A2 und A3, Leistung wahlweise 10, 30 oder 100 Watt.) untergebracht. Im unteren rechten Einschub: Der Mittelwellen-Telegrafiesender MS 301 für den Frequenzbreich zwischen 410 und 525 kHz. Seine Sendeleistung liegt zwischen 50 und 400 Watt, stufenweise wählbar ist. Die Röhrenbestückung: 1 x 6 201, 1 x QQE 03/12 und 4 x PE 1/100.
Die abgebildete Funkanlage bestand also nicht aus neuester sondern aus bewährter Technik der 50er und 60 Jahre. Im Seefunk hatte sich 1970 bei Sendern und Empfängern eigentlich die SSB-Technik schon durchgesetzt.
Oben und links:  Die Trailer-Fähre "Norcape" / DKJR
Das Schiff wurde 1970 als Bau-Nr. 671 von der Lübecker Werft Orenstein & Koppel AG für die Reederei J.A. Reinecke, Lübeck gebaut. Die hier dargestellten Fotos entstanden im Sommer 1972, als das Schiff zwischen Rotterdam und Hull pendelte. 
Die "Norcape" war 104 Meter lang, 18,5 Meter breit und mit 5297 BRT vermessen. Eine Maschinenanlage von MAK verlieh dem Schiff eine Geschwindigkeit von 17 Knoten.
Nach der Einfahrt über die Heckrampe konnten LKWs und Auflieger mit einer Gesamtlänge von bis zu 15 Metern mit einem Lift zum Oberdeck befördert werden. In der Hauptluke gab es 6 Parkspuren. Von dort aus führte eine Rampe zum Unterdeck, wo Fahrzeuge mit halber Höhe gestellt werden konnten. Insgesamt verfügte das Schiff über 600 Meter Parkspur.
1974 wurde das Schiff in "Rhonetal" / DKJR umbenannt und 1975 an die französische "Co. Meridionale de Navagition" (CMN) nach Marseille verkauft. Dort wurde das Schiff in "Rhone" umbenannt und zwischen Marseille und dem korsischen Bastia eingesetzt.
Von 1987 bis 1990 fuhr die Fähre als "Marina Torre" für die italienische Reederei "Compagnia Navigazione del Tirreno Conatir SpA", wurde 1989 an "P&O Scottish Ferries" verchartert und 1990 an diese Firma verkauft. 
Die ex "Norcape" / DKJR wurde in "St Rognvald" umbenannt und erhielt das Rufzeichen GJWT. Bis 2003 fuhr sie zunächst für "P&O Scottish Ferries", dann für "Norse Island Ferries" im Pendeltverkehr zwischen Aberdeen, Kirkwall und Lerwick. 
Im Herbst 2003 wurde das inzwischen 33 Jahre alte Fährschiff in Alang (Indien) abgewrackt. 

Bildnachweis:
Alle Fotos (4)  Urheber gem. §7 Urh.G.: Christian Pahl, DK1QG  (Mit freundl. Genehmigung 10-Mar-10)

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Version: 10-Mar-10 / Rev.: 22-Mar-11 / HBu