ES Robert Ley / DJZI
Fotos: Debeg (3), Dirk Becker (1)  - 

Oben:  Teilansicht der Funkstation des KDF-Schiffes "Robert Ley" / DJZI  Die "Robert Ley" / DJZI wurde 1939 in Dienst gestellt. Das Foto zeigt einen der zwei  Funkarbeitsplätze. Als einzig erkennbares Gerät steht links der Überlagerungsempfänger E 390 Gr von Telefunken (1936 / 1,5 - 25 MHz). In der Wand hinten links im Bild ist die Sendeanlage untergebracht. Gemäss der Aufstellung in einer Liste von 1939 handelt es sich um folgende Geräte:  Ein Mittelwellen-Telegrafiesender S356 S von Telefunken, ein 150 W Kurzwellensender SK 12 303, ein zweiter Kurzwellensender SK 12 305 (beide Lorenz), ein Grenzwellen-Telefoniesender S318 von Telefunken. Laut Ausrüstungsliste war noch ein Notsender vom Typ A 0,2E an Bord. In den Rettungsbooten Nr.21 und Nr.22 befanden sich jeweils eine fest eingebaute Funkstation. Sie verwendeten die Rufzeichen DJZI2 (Boot 21) und DJZI3 (Boot 22).
Foto links:  Peilempfänger E 374N (Telefunken) an der Rahmenpeilanlage 103 N im Kartenraum der "Robert Ley" / DJZI.

Rechts daneben befindet sich die Auswerteinheit des Echolotes, das Telefunken ab 1936 herstellte und damals "Radiolot" genannt wurde. Tiefenmessungen bis 500 Meter waren unter günstigen Bedingungen möglich.

Foto rechts:   Der Peilrahmen mit integrierter Peilerhilfsantenne (für die Seitenbestimmung !) auf dem Peildeck der "Robert Ley" / DJZI, starr verbunden mit dem oben erwähnten Peilempfänger E 374N ein Deck darunter.

Das Elektroschiff "Robert Ley" wurde 1938/39 bei den Howaldtswerken in Hamburg unter der Nummer 754 als Kreuzfahrtschiff für die "Deutsche Arbeitsfront GmbH, Hamburg¹" gebaut und im März 1939 in Dienst gestellt. Bereedert wurde das neue Schiff von der Hapag. Das mit mit 27288 BRT vermessene Schiff war 208,30 Meter lang und 24 Meter breit. Sechs Generatoren - jeder angetrieben von einem sechszylindrigen MAN-2-Takt-Dieselmotor - leisteten zusammen 12800 PS und lieferten die Energie für zwei Elektro-Fahrmotoren, von denen jeder eine der beiden Schrauben des Schiffes antrieb. Dieses lief damit gut 15 Knoten. Nach Fertigstelllung wurde "Robert Ley" als ²KdF-Schiff für Kreuzfahrten eingesetzt. Im Mai 1939 transportierte das Schiff mit anderen KdF-Schiffen die "Legion Condor" von Spanien zurück nach Deutschland. Ab Kriegsausbruch 1939 wurde es abwechselnd als Lazarettschiff, Unterkunftsschiff für U-Boot-Besatzungen, Garnisonsschiff und als Verwundetentransporter eingesetzt. Im Januar 1945 beteiligte sich das Schiff an den Evakuierungmassnamen für die Bevölkerung der deutschen Ostgebiete. Im März 1945 lag die "Robert Ley" in Hamburg und erhielt während eines Bombenangriffs mehrere Treffer, die sie schwer beschädigten. 1947 wurde das Schiff in England abgewrackt.
¹Die "Deutsche Arbeitsfront" (DAF) war in der Nazi-Zeit durch "freiwillige Zwangsmitgliedschaft" (Gewerkschaften waren verboten worden) der Einheitsverband aller deutschen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Ihr Leiter war der Namensgeber des oben beschriebenen Schiffes: Dr. Robert Ley. 1945 entzog sich der Alkoholiker Dr. Ley ("Reichs-Trunkenbold") der Verurteilung durch das alliierte Militärtribunal in Nürnberg durch Selbstmord.
²"Kraft durch Freude" (KdF) war eine NS-Unterorganisation der o.g. "Deutsche Arbeitsfront" (DAF). Ihre Aufgabe war es u.v.A., Ausflüge und (See-)Reisen zu organisieren. Auch der sog. "KdF-Wagen", aus dem später die Marke "Volkswagen" wurde, und die nicht fertiggestellte riesige Hotelanlage "Prora" auf Rügen waren Initiativen der KdF-Organisation. 
Die DAF verkaufte für 295 RM auch einen Rundfunkempfänger mit der Bezeichnung DAF 1011. Das Gerät (Im Foto rechts ist das Hakenkreuz in der Mitte entfernt worden, es wurde also "entnazifiziert" !) war für Gemeinschaftsempfang mit Wiedergabe über einen externen und optionalen Lautsprecher (135 RM) konzipiert. Der Geradeausempfänger (3 Kreise)  empfing Rundfunksender im Mittel- und Langwellenbereich und arbeitete mit 5 Röhren. Der "Arbeitsfrontempfänger DAF 1011" wurde von mehreren Firmen hergestellt, u.A. von Telefunken, Siemens, AEG, Staßfurt  und Seibt. (HBu) 

Bildnachweis
Stationsfotos (3) Quelle: Debeg, Deutsche Betriebsgesellschaft für drahtlose Telegrafie  in "Funkschau" Nr.20 / 14.Mai 1939
Foto Rundfunkgerät (1): Urheber gem. § 7 Urh G: Dirk Becker (Quelle: Wikipedia / Gemeinfrei gestellt 02-Mar-08)
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Version: 30-Oct-08 / Rev.: 03-Oct-09 / 22-May-11 / HBu