MS Erika Schulte / DHEN
Fotos und Berichte¹ © (2005/2006): Hans-Joachim Brandt, DJ1ZB (2) und Hans-Jürgen Körner, DK1MW (2)

Urheber: Hans-Joachim Brandt, DJ1ZB Die "Erika Schulte" / DHEN war ausgerüstet für Mittelwelle, Grenzwelle und Kurzwelle. Man erkennt den Empfänger Siemens E66a und den Lorenz-Sender S540. Der Mittelwellen-Sender ist nicht mehr auf dem Bild. Der alte Grenzwellensender S 109 von Telefunken wurde 1956 durch das Debeg-Modell rechts im Bild ersetzt, da das Schiff auch für die Fahrt in den kanadischen und US-amerikanischen Großen Seen eingesetzt wurde. Dort verlangte man Grenzwellenfunkgeräte mit Einknopfwahl der Frequenz, andernfalls wurde ein Fremdgerät installiert (z. B von Canadian Marconi). Bei diesem neuen Gerät war die Frequenzwahl aber noch für Sender (oben) und Empfänger (Mitte) getrennt vorzunehmen. Das wurde akzeptiert. Aber auch aus anderen Gründen stand ich mit diesem Gerät immer etwas auf Kriegsfuß.
Schon bei Inbetriebnahme in Europa störte mich ein Heulgeräusch auf der Drucktaste 1, belegt mit der Anruf- und Notfrequenz 2182 kHz. Ich habe dann 2182 kHz zusätzlich auf Drucktaste 10 eingestellt; dort war das Heulen weg und der Empfang sauber. Dann passierte es mehr als einmal, daß bei starkem Seegang die Wand an der das Gerät montiert war stark vibrierte und dadurch der Telefonhörer aus der Halterung sprang. In der linken Halteklammer aber war ein Kontakt eingearbeitet, der beim Herausnehmen des Hörers das Gerät auf  Senden schaltete. Das war natürlich unzulässig, wenn der Hörer allein herausfallen konnte. Seitdem war, wie im Photo gezeigt, an Stelle des Hörers ein Pinsel in der Halterung, der wegen seiner geringen Masse bei Seegang nicht herausfiel, und der Hörer war nur eingehängt.
In den Unterlagen des Gerätes hatte ich dann entdeckt, daß der Empfänger auf  Drucktaste 1 nur einen Vorkreis besaß, auf allen anderen aber zwei. Also mußte die Spiegelfrequenzunterdrückung auf Drucktaste 1 schlechter sein als auf den anderen, was den gestörten Empfang erklärte. Später habe ich bei der Debeg einmal nach dem Grund der unterschiedlichen Vorkreise gefragt. Darauf hatte man mir erklärt, Notfrequenzen würden in der Regel mit etwas größerer Bandbreite empfangen (das ist richtig), und deshalb habe man auf Drucktaste 1 den zweiten Vorkreis weggelassen. Darauf konnte ich nur entgegnen, daß bei einem Superhetempfänger die Empfangsbandbreite doch durch die Zwischenfrequenzfilter festgelegt werde und nicht durch die Vorkreise. Die große Empfängerbandbreite, die der bekannte E66a annimmt, wenn man ihn auf "Seenot" schaltet (rote Lampe), kommt tatsächlich durch ein Umschalten in der ZF zustande. Das Gerät brauchte diesen ZF-Umschalter ohnehin. Meiner Erinnerung nach war der Rundfunk-Mittelwellenbereich auf zwei Stufen des Bereichsschalters verteilt (wohl 2 und 3), und zwischen diesen Teilen wurde die Zwischenfrequenz umgeschaltet (im Bereich 2 eine höhere und im Bereich 3 eine etwas niedrigere). Sonst hätte das Gerät nicht den Bereich von ca 120 kHz bis 26 MHz lückenlos überstreichen können. Kein Superhet kann auf seiner 1. ZF empfangen. 
Unter den Geräten auf dieser Webseite habe ich dieses Debeg-Sprechfunkgerät nicht gefunden. Wenn es sich nicht durchgesetzt haben sollte, würde mich das überhaupt nicht wundern.
Urheber: Hans-Jürgen Körner, DK1MW
Urheber: Hans-Jürgen Körner, DK1MW
Diese Fotos der FT-Station "Erika Schulte" / DHEN entstanden nach einem Umbau im Februar 1966. OM Hans-Jürgen Körner schreibt dazu: Die mysteriöse, in OM Brandts Bericht erwähnte GW-Anlage, war bei meinem Dienstantritt am 18.12.1965 nicht mehr an Bord. 
Foto links: Der früher unter dem KW-Sender Lorenz S-540 befindliche Empfänger Siemens E 66a wurde durch einen Siemens E 566 ersetzt. Das Autoalarmgerät Lorenz 572 A behielt seinen Platz. Daran schließt nun die reaktivierte S/E-Anlage Telefunken SE 535 an, die sich zuvor - allerdings nicht mehr betriebsbereit - auf der Brücke befand. 
Foto rechts: Neben der GW-S/E-Anlage Telefunken SE 535 ist der durchstimmbare MW-Sender Telefunken S 119 zu sehen. Darunter befindet sich die zugehörige Stromversorgung. Der Not-Sender Telefunken S 203 behielt seinen Platz. Ersetzt wurde dagegen der zuvor darunter befindliche Empfänger Telefunken E 381 S (Brotkiste), an dessen Stelle der ehemalige Haupt-Empfänger Siemens E 66A trat.
Urheber: Hans-Joachim Brandt, DJ1ZB
MS "Erika Schulte" / DHEN wurde am 28. Juni 1954 als "Ilse E. Gleue" von der Werft G. Renck jun. in Hamburg-Harburg an die Reederei Gleue & Detjen übergeben. Ende 1954 wurde das Schiff an die Reederei Schulte& Bruns (Emden) verkauft und in Neapel in "Erika Schulte" umbenannt. Das Schiff war mit 1973,61 BRT / 1139,51 NRT vermessen, 79,07 Meter lang und 12,70 Meter breit. Für den Antrieb sorgte ein 6-Zylinder Dieselmotor von MAN (Typ G6V 40/60) mit 1470 PSe. Die "Erika Schulte" lief damit 12,5 Knoten.
¹Vielen Dank an Kpt. E. Feith und Ullrich Franhäuser für zusätzliche Informationen


Bildnachweis:
Bild 1 und Bild 4 Urheber gem. § 7 Urh G: Hans-Joachim  Brandt, DJ1ZB  (Mit freundl. Genehmigung 2005)
Bild 2 und Bild 3 Urheber gem. § 7 Urh G: Hans-Jürgen Körner, DK1MW  (Mit freundl. Genehmigung 2006)
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Version: 10-Mar-05 / HBu - Rev.: 04-Mar-06 / 16-May-11 / HBu