MS Gutenfels / DEEV
Fotos: Karlheinz Müller, DF2BA (6), H. Busch, Berne (1) und Sammlung H. Busch (2) 

Abb. 1 und 2:  Die "Gutenfels" / DEEV wurde im Herbst 1954 in Dienst gestellt, die Funkausrüstung entspricht dieser Zeit. Links steht als Hauptempfänger ein Siemens E 66a (120 kHz bis 27 MHz), der ab 1950 im Programm der Debeg war. Auf der Konsole über dem Operator steht der MW-Notsender der Station: Ein Telefunken S 227. Er leistete 70 Watt. Darunter an der Wand hängt die Stationsuhr, noch ohne die blauen oder grünen Markierungen für die Seenotpausen auf 2182 kHz in der 00.-03. und 30.-33. Minute jeder Stunde. Halb verdeckt durch den E66a an der Wand sitzt das Alarmzeichen- Tastgerät AT 512 (mit übergestülptem Kopfhörer). 
Sendeseitig ist das Schiff mit dem im Jahr 1954 neuen 375 Watt KW-Sender Telefunken S 526 ausgerüstet. Er steht oben links im Gestell, darunter der Modulator Md 526 und das Netzteil StG 519. Auf der rechten Seite steht der 250 Watt MW-Hauptsender Telefunken S 119 (gebaut ab 1950) mit dem Netzgerät NG 226 darunter.
Die Abbildungen 3 und 4 (unten) sind mindestens 3 Jahre jünger als die Bilder 1 und 2. Zusätzlich zum E 66a ist hier ein modernerer Empfänger Siemens E 566 vorhanden, der ab Sommer 1957 von der Debeg vetrieben wurde. Dieser Überlagerungsempfänger erfasst in 12 Teilbereichen die Frequenzen 14 - 21 kHz und 85 - 30300 kHz. In den KW-Bereichen arbeitet er mit doppelter Frequenzumsetzung. Die Röhrenbestückung: 4 x EF93, 3 x EK90, 4 x ECC82, 2 x EAA91, 1 x EL90, 1 x EM34, 1 x 108C1, 1 x 150C2. 
In Abbildung 3 erkennt man auch den Autoalarmempfänger der Station, einen Lo572 in Tischausführung. Dieser Empfänger wurde ab 1952 von Lorenz gebaut, seiner Aufgabe entsprechend ist er fest auf 500 Khz abgestimmt. Die Röhrenbestückung: 7 x EAF 42. 
Abb. 4:  Sendeseitig ist die Funkstation der "Gutenfels" / DEEV  in den ersten drei Jahren offensichtlich nicht verändert worden.
Abb. 5 und 6:  Die beiden Fotos vermitteln einen Eindruck von der Konzentration, mit der der Funkoffizier seine Arbeit verrichtete.
Bild 7:  Ein Modell des Schwesterschiffes "Goldenfels" / DEEL steht im "Focke-Museum" in Bremen.
Bild 8:  Das Vorschiff der "Gutenfels" aus der Kajak-Perspektive
Die "Gutenfels" / DEEV war das 5. Schiff, das diesen Namen trug. Sie wurde von der A.G. Weser in Bremerhaven gebaut und am 18. September 1954 von der DDG Hansa in Dienst gestellt. Die Schiffsdaten: 6804 BRT, 3986 NRT, 10081 tdw, Länge: 155,8 m, Breite: 19 m. 
Zwei doppelt wirkende[¹] 2-Takt Dieselmotoren mit je 6 Zylindern (MAN D6Z 53/80[²]) leisteten zusammen 8650 PS. Die beiden Motoren arbeiteten über ein Getriebe auf eine Schraube, MS "Gutenfels" lief damit knapp 17,5 Knoten. 
Für die für die DDG Hansa typischen Schwerguttransporte steht ein Schwergut für für max. 165 zur Verfügung. 
Unten:  MS "Gutenfels" an einer Pier im Persischen Golf
Schwesterschiffe waren die in Bild 7 im Modell abgebildete  Goldenfels / DEEL, die Kandelfels / DEER  und die "Kybfels" / DEFA. MS "Gutenfels" wurde 1968 an die chinesische Staatsreederei (COSCO) verkauft, hiess bis 1978 "Jilin"/BRTY, danach "Hong Qi 126"/BRTY. Seit 1993 ist das Schiff in "Lloyd's Register" mehr verzeichnet.
[¹]
Ein "doppelt-wirkender" Dieselmotor hat eine Verbrennungskammer die von oben und eine, die von unten auf den Kolben wirkt. Bei den unteren Kammern kam häufig es zu Dichtungsproblemen zur Kolbenstange hin. Probleme, die sich bei zwei mal 6 Zylindern natürlich schnell summierten. Reisen auf diesen Schiffen konnten sich für einen Schiffsingenieur/Assistenten so durchaus zum "Horror-Trip" entwickeln. 

[²] MAN D6Z 53/80  bedeutet: MAN D=doppelt wirkend  (siehe [¹]), 6 Zylinder, 530 mm Kolbendurchmesser, 800 mm Hub

Bildnachweis:
Bild 1, Bild 2, Bild 4, Bild 5, Bild 8 und Bild 8:  Urheber gem. §7 Urh G: Karlheinz Müller, DF2BA, 2006  (Mit freundlicher Genehmigung 2001)
Bild 3 und Bild 4  Quelle: Sammlung Heinrich Busch, Berne  (Urheber bisher unbekannt, bitte melden)
Bild 7  Urheber gem. §7 Urh G:  Heinrich Busch, Berne,  2008, Schiffsmodell im "Focke-Museum", Bremen 

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